
Geschichte
1817
Königin Katharina I. von Württemberg legt mit der Gründung der „Zentralleitung für Wohltätigkeit“ im Jahr 1817 die Basis für die Sozialpolitik in Baden-Württemberg. Ziel der koordinierenden Zentralleitung ist es damals, die vorherrschende Armut in Württemberg nach den napoleonischen Kriegen zu bekämpfen. Im Mittelpunkt steht dabei zunächst die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Kleidern, später dann auch die Arbeitsbeschaffung, denn: „Arbeit schaffen hilft mehr als Almosen geben“, so die heute noch moderne Überzeugung Königin Katharinas. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wandeln sich die Schwerpunkte entsprechend der jeweils aktuellen Erfordernisse: Naturkatastrophen, Kriegsfolgen und Krankheitsbekämpfung erfordern unterschiedliche Maßnahmen.
Auf Katharinas Impulse gehen neben dem Wohlfahrtswerk für Baden-Württemberg auch die Universität Hohenheim, das Königin-Katharinen-Stift, das Katharinenhospital sowie die Württembergische Sparkasse (heute Landesbank Baden-Württemberg/ LBBW) zurück.
1848
Die „Blätter für das Armenwesen“ werden ins Leben gerufen, die heutigen „Blätter der Wohlfahrtspflege“. Die Zeitschrift wird heute noch vom Wohlfahrtswerk herausgegeben und ist eine der führenden Zeitschriften für Soziale Arbeit.
Nach 1918
Nach dem Ersten Weltkrieg erfüllt die Zentralleitung wichtige Koordinationsfunktionen für die Wohlfahrtspflege. Jedoch schränken der Ausbau der staatlichen Sozialpolitik, der Vermögensschwund durch Inflation sowie die Abgabe von Arbeitsgebieten an die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt das ursprüngliche Wirken erheblich ein.
Nach 1945
Zu den größten Nöten nach dem Zweiten Weltkrieg gehört die Wohnungsversorgung. Da hier besonders allein stehende Ältere benachteiligt sind, entwickelt sich mit der Zeit in diesem Bereich ein neuer Aufgabenschwerpunkt: das Angebot von Wohnraum und Hilfsangeboten für ältere Menschen. Als 1947 der Paritätische Wohlfahrtsverband in Württemberg-Baden wieder gegründet wird, zählt das Wohlfahrtswerk – wie bereits 1925 bei der Gründung des „Fünften Wohlfahrtsverbands“ – zu den Gründungsmitgliedern.
1957
Die Zentralleitung wird in „Landeswohlfahrtswerk für Baden-Württemberg“ umbenannt. Zu den Aufgaben gehören neben dem Bau und Betrieb von Altenhilfeeinrichtungen zunehmend auch Planungsfragen zur Infrastruktur und die Theoriebildung in der Altenhilfe.
1972
Das Land Baden-Württemberg gründet die privatrechtliche Stiftung „Wohlfahrtswerk für Baden-Württemberg“. Damit soll die Institution gefestigt und ihre Unabhängigkeit von öffentlichen Rahmenbedingungen gesichert werden. In der Stiftungssatzung wird ein weiter Rahmen für die Tätigkeit der Stiftung festgeschrieben. Dazu gehört neben dem Betrieb von Einrichtungen und Diensten auch die Aus- und Weiterbildung im Sozialbereich, die Herausgabe von Publikationen sowie die Verwaltung anderer Stiftungen.
1978
13 junge Frauen und zwei junge Männer beginnen ihr Freiwilliges Soziales Jahr in den Altenpflegeeinrichtungen des Wohlfahrtswerks. Heute ist die Stiftung der viertgrößte FSJ-Träger in Baden-Württemberg und beschäftigt rund 850 FSJ-Teilnehmerinnen und Teilnehmer in über 300 Einrichtungen verschiedener Träger.
1981
Die erste Tagespflege für Ältere in Süddeutschland wird im Ludwigstift in Stuttgart-West eröffnet. 2008 ist sie die erste Tagespflege in Deutschland, die vom Institut für Qualitätskennzeichnung von Sozialen Dienstleistungen (IQD) mit einem Qualitätssiegel ausgezeichnet wird.
1987
Mit dem „Betreuten Wohnen Stuttgart-West“ wird das Betreute Wohnen für Senioren in Deutschland eingeführt. Heute betreibt das Wohlfahrtswerk an neun Standorten Seniorenwohnanlagen mit Mietwohnungen im Betreuten Wohnen.
1995
Das Wohlfahrtswerk gründet mit der Silberburg Hausdienste GmbH (Reinigung & Haustechnik) die erste von heute insgesamt vier Tochtergesellschaften, die Dienstleistungen für die Stiftung erbringen. Es folgen 1998 die Wohlfahrtswerk Altenhilfe gGmbH (Einrichtungen und Dienste) und 2005 die Wohlfahrtswerk Management und Service GmbH (Verwaltung) sowie die Wohlfahrtswerk Bau- und Immobilienmanagement GmbH (Immobilienbereich).
2000
Eine der ersten Wohngemeinschaften für Pflegebedürftige in Baden-Württemberg wird in Fellbach nahe Stuttgart eröffnet. 2008 wird eine weitere Senioren-Wohngemeinschaft in Stuttgart-Rot eröffnet.
2001
Mit der Domus-Wohngruppe im Ludwigstift wird der erste Sonderpflegebereich in Baden-Württemberg für körperlich mobile Menschen mit schwerster Demenz eingerichtet.
2008
Im Neubau des Fellbacher Haus am Kappelberg wird in bundesweit bisher einmaliger Konsequenz das Konzept der stationären Wohngemeinschaften eingeführt. Die Bewohner führen – unterstützt von Alltagsbegleitern – ein Leben, das ein normales Haushaltsgeschehen erleben lässt. Aus fachlicher Sicht ist bemerkenswert, dass die Alltagsbegleitung als eigenständiger Arbeitsbereich etabliert wird und das Pflegeteam unabhängig davon organisiert ist.